Der Schau- und Sichtungsgarten

In den letzten Jahren entstand um den Pavillon ein ausgedehnter Schau- und Sichtungsgarten. Dieser beherbergt inzwischen mehr als 3500 verschiedene Pflanzenarten und ist damit wohl schon einer der artenreichsten öffentlichen Gärten in Deutschland.

Der Garten ist noch jung. Die meisten Teile des Gartens wurden in den letzten vier Jahren neu angelegt oder teilweise grundlegend umgestaltet. Beständig entwickelt er sich weiter, getreu dem Motto Karl Foerster’s „Wer mit seinen Garten schon zufrieden ist, verdient ihn nicht“. Doch auch wenn dem Garten noch die Patina des Alters fehlt, gibt es zahlreiche Dinge zu entdecken. Viele Stauden zeigen sich schon in voller Pracht, während man bei einigen Gehölzen noch ein wenig Geduld haben muß, bis sie zur vollen Entfaltung gelangen.

Im Garten des Nepal-Himalaya-Pavillons findet man die verschiedensten Lebensbereiche. Einen großen Heidegarten, trockene Hänge, feuchte wiesenhafte Beete, trockene und feuchte Schattenlagen, zwei große Teiche. Durch die Vielzahl von unterschiedlichen Standorten, auch bedingt durch die Hanglage, die den Garten stark strukturiert, ist es möglich, sehr viele unterschiedliche Pflanzen erfolgreich zu kultivieren.

Ziel unseres Gartens ist es, dem Besucher Anregungen und Schönheit zu bieten, er soll ein Schaugarten im besten Sinne sein, aber kein Showgarten. Es geht nicht darum Moden zu folgen, künstlerisch überhöht-unverständliche Aussagen zu treffen, es geht um gutes Handwerk, darum, eine umfassende Darstellung der hier in der eher rauen Oberpfalz kultivierbaren Stauden und Gehölze in möglichst naturnaher Zusammenstellung zu präsentieren. Graf Silva-Tarouca’s Aussage: „Je mehr der Gartenkünstler nach der Natur zu schaffen bestrebt ist, desto sicherer wird er sein Ziel erreichen: Natur, wenn auch bereicherte und veredelte Natur!“ ist auch unser Anspruch.

Eine wichtige Rolle in diesem Konzept spielen zahlreiche Wildstauden aus der ganzen Welt, aber auch wirklich gute Züchtungen, die hier erprobt und propagiert werden. Vielfalt statt Einfalt, ständige Versuche auch mit ungewöhnlichen Pflanzen und Pflanzenzusammenstellungen fordern unser kleines Team, zwei Gärtner und zwei tüchtige Saisonkräfte, ständig heraus.

Wir sind der Meinung, dass artenreiche Bepflanzungen nicht nur viel schöner, sondern auch dauerhafter und leichter zu pflegen sind, als tristes eintöniges „Begleitgrün“, wo nur wenige Arten in großen Stückzahlen verwendet werden. Vorbilder sind unter anderen der Garten von Beth Chatto in Ostengland und Pflanzenverwendungen von Dr. Simon, Marktheidenfeld.

Solch artenreiche nach Lebensbereichen der Pflanzen gestaltete Gärten sind Beispiele für Foerster’s „Garten für intelligente Faule“, sie verlangen ein hohes Maß an Pflanzenkenntnis, Pflanzenverständnis, Sorgfalt, genaues Hinsehen, sind aber mit relativ geringen zeitlichen Aufwand zu pflegen.

Auch wenn viele botanische Elemente eine Rolle spielen, ist unser Garten kein Liebhabergarten, sondern ein öffentlicher Park, es kommt nicht darauf an, besondere Pflanzen unbedingt nur zu besitzen, sondern darauf, sie ansprechend und dekorativ zu präsentieren. Der Artenreichtum ist kein Selbstzweck, sondern dient dazu, natürliche zu jeder Jahreszeit spannende und erfreuliche Pflanzenkombinationen zu schaffen. Der Pflanzenlaie soll sich genauso über die bunte Blütenpracht freuen können, wie der Pflanzenkenner über das faszinierende Blatt einer Syneilesis aconitifolia.

Das Gelände befindet sich in einem ehemaligen Steinbruch an den letzten Ausläufern des bayerischen Waldes, oberhalb der Donau. Das Klima ist kontinental (dank der Donau gerade noch Winterhärtezone 7a), heiß und trocken im Sommer, meist schneereich und kalt im Winter. Der anstehende Boden ist steinig und besteht aus verwittertem Granit. Die Bodenreaktion ist leicht sauer. Die Böden wurden teilweise großzügig mit guter, schwerer lehmiger Erde aus der Donauebene verbessert, z.T. im Heidegarten und bei den Rhododendron auch mit Torf.

Erkenntnisse, die wir in unserem Park gewinnen, werden regelmäßig publiziert.

Interessierte können hier Hinweise, Anregungen und Fragen zu gärtnerischen Themen anbringen.

Besuchen Sie auch den Schlossgarten Dennenlohe:  www.dennenlohe.de

Für Überlassung von Bildmaterial danken wir Sibylle Metz, Inge Kraus, Harald Urbaner und Christiane Hanff.